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Klimakatastrophen in den Medien: Wirtschaftliche Interessen bestimmen, worüber berichtet wird

Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind weltweit drängende Probleme, dennoch finden nicht alle Klimakatastrophen in den Medien die gleiche Beachtung. Eine aktuelle Studie analysiert systematisch die Berichterstattung britischer Zeitungen seit 2000 und deckt dabei ausgeprägte geografische Verzerrungen auf. Die Ergebnisse werfen wichtige Fragen zur Rolle der Medien bei der Meinungsbildung und zu den Auswirkungen auf die globale Klimagerechtigkeit auf.

Inhye Kong und Ross S. Purves analysierten Berichte über klimabedingte Katastrophen in fünf führenden britischen Zeitungen aus dem Zeitraum von 2000 bis 2023 – The Daily Telegraph, Financial Times, The Guardian, The Independent und The Times. Die in diesen Berichten genannten Ortsnamen extrahierten sie mithilfe des Irchel Geoparsers, um sie geografisch zu lokalisieren. Die entstandene Karte der Medienaufmerksamkeit auf Länderebene ergab ein ausgeprägtes geografisches Ungleichgewicht in der Berichterstattung. Die Ergebnisse wurden kürzlich in den Annals of the American Association of Geographers veröffentlicht.

Unverhältnismässige Fokussierung auf den Globalen Norden 

Klimakatastrophen in Europa und Nordamerika erhalten unverhältnismässig grosse Medienaufmerksamkeit, während über diejenigen im Globalen Süden – wo die Auswirkungen des Klimawandels oft am stärksten zu spüren sind – systematisch weniger berichtet wird.

Geografischer Überblick über die Medienaufmerksamkeit für globale Klimakatastrophen (Kong, I., & Purves, R. S. Annals of the American Association of Geographers, 2026)

Wirtschaftliche Verbindungen sind wichtiger als das tatsächliche Auftreten von Katastrophen

Die Medienberichterstattung wird stärker vom Wohlstand eines Landes und seinem Handelsvolumen mit Grossbritannien beeinflusst als vom tatsächlichen Auftreten oder der Schwere von Katastrophen­ereignissen. Wirtschaftliche und politische Verbindungen und nicht humanitäre Bedürfnisse bestimmen somit, welche Ereignisse es in die Medien schaffen.

Grobe und distanzierte Darstellung der Ortsnamen

Britische Zeitungen neigen dazu, bei der Berichterstattung über Katastrophen im Ausland allgemeine administrative Ortsnamen (z. B. Bundesstaaten, Hauptstädte) zu verwenden. Detailliertere geografische Angaben werden dagegen weitgehend für Ereignisse in Europa und Nordamerika reserviert. Das spiegelt eine räumliche Verzerrung in der medialen Darstellung wider.

Medien als Gatekeeper der öffentlichen Wahrnehmung

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle für die öffentlichen Aufmerksamkeit und die politischen Prioritäten. Begünstigt die Berichterstattung wohlhabendere, besser vernetzte Länder, verzerrt dies das öffentliche Verständnis davon, wo die Auswirkungen des Klimawandels am gravierendsten sind. Das hat Auswirkungen auf die politischen Reaktionen und verstärkt globale Ungleichheiten.

Literatur

Kong, I., & Purves, R. S. (2026). Analyzing Geographic Bias of Newspaper Articles Reporting Global Climate Disasters. Annals of the American Association of Geographers, 116(2), 270–288. doi.org/10.1080/24694452.2025.2564220

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Inhye Kong, Dr.
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